Kai an Bord
Frische Wind mit Kai
CTC: Wie kam es dazu, dass sich ein bekannter Berliner DJ dazu entschloss, als Pädagogische Assistenzkraft (mit Zusatzqualifikation), tätig unter Anleitung einer pädagogischen Fachkraft zu arbeiten und darüber hinaus auch noch ein Praktikum im CTC Brüssow zu absolvieren?
- Als Kind habe ich früh gelernt, für mich selbst einzustehen – sei es durch Sport, Selbstverteidigung oder in schwierigen Situationen in der Schule. Ich wurde liebevoll, aber bestimmt erzogen, was mir ein starkes Selbstbewusstsein und eine klare Vorstellung von Werten mitgegeben hat. Schon früh habe ich gelernt, mich in sozialen Strukturen zurechtzufinden – von der Grundschule über den Sport bis in die Geschäftswelt. Ich konnte mich immer behaupten – ob in der Schule, in der Wirtschaft oder im Musikbusiness.
Mein Leben verlief in klaren Abschnitten: Kindheit in einem kleinen Ort, Jugend mit viel Sport und ersten beruflichen Erfahrungen, erfolgreiche Karriere im Ausland und in der IT, über ein Jahrzehnt in der internationalen Musik- und Veranstaltungsbranche – und jetzt ein bewusster Wechsel in die Arbeit mit Kindern. Ich habe viele Phasen der Veränderung durchlebt: Vom frei erzogenen Kind, das sein Spielzeug nicht teilen wollte, zum Jugendlichen, der sich durchsetzen musste, zum Geschäftsmann und DJ – und schließlich zum Menschen, der heute mit Kindern arbeitet.
Mit 51 Jahren merke ich, dass Körper und Geist noch völlig intakt sind, aber meine Werte sich verändert haben. Früher ging es mir um Erfolg und Karriere, heute geht es mir um Sinnhaftigkeit, Menschlichkeit und darum, etwas weiterzugeben. Meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebensbereichen helfen mir dabei, Kinder zu begleiten, ihre Potenziale zu entdecken und ihnen Orientierung zu geben. Die feste Mitarbeit im Jugendclub und das erfolgreich absolvierte Praktikum im CTC Brüssow sind für mich konsequente Schritte auf diesem Weg.
CTC: Was ist für dich im Leben wichtig? Welche Werte möchtest du den Brüssower Kids, die den CTC besuchen, mit auf den Weg geben?
In meiner Jugend waren Disziplin, Durchhaltevermögen und das Finden der eigenen Rolle zentrale Themen. Sport und Kampfkunst haben mir geholfen, klare Ziele zu setzen und mich selbst zu strukturieren. Ich liebe die Natur, bin mit ihr groß geworden und respektiere sie und jedes Lebewesen – diese Haltung hat meinen Weg ebenso geprägt wie meine späteren beruflichen Stationen: in der IT, in der Musikbranche und in der Selbstständigkeit. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen, mit Unsicherheit umzugehen und aus Rückschlägen zu lernen.
Heute sind mir andere Dinge wichtig: echte Begegnung, Respekt, Selbstwirksamkeit, die Bereitschaft zur Weiterentwicklung und die Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen.
Ich möchte den Brüssower Kids Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden – auch wenn er mal ungerade verläuft. Ich will ihnen zeigen, dass sie nicht perfekt sein müssen, aber wachsen dürfen. Dass Vielfalt eine Stärke ist. Und dass man auch in einer lauten Welt auf leise Weise viel bewirken kann. Ich sehe es als meine Aufgabe, Kindern und Jugendlichen das zu geben, was mir selbst in jungen Jahren geholfen hat: Orientierung, Wertschätzung, ein stabiles Gegenüber – und die Ermutigung, an sich selbst zu glauben.
CTC: Brüssow ist eine kleine, abgelegene Stadt in der Uckermark. Wie blickst du auf die Perspektive, hier langfristig mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten?
Ja, ich sehe großes Potenzial darin, langfristig mit Kindern und Jugendlichen in Brüssow zu arbeiten. Mein Ziel ist es, sie kontinuierlich zu begleiten, zu stärken und ihnen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zur Seite zu stehen. Deshalb plane ich auch, meinen Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Brüssow zu verlegen.
Ich bin selbst in einem kleinen Ort in Bayern aufgewachsen – warum also nicht auch in einer kleinen Stadt in der Uckermark ankommen und alt werden?

